When everyone has gone

 

Da sitze ich nun in einem Cafe in Montmatre und blicke durch die große Glasscheibe, die mich vom Geschehen trennt.

Es ist nicht so als trenne sie mich von außen oder von innen, vielmehr ist es eine Projektion des Geschehens, reduziert auf jene 8 mm dünne Glasfläche. Aus dem Winkel des Betrachters spiegelt sich inneres und äußeres und verschmilzt schließlich zur Urbanität jenes von Menschen geschaffenen Gesamtkunstwerk Montmatre.

Nicht das auch nur das kleinste Detail aufgesetzt oder hinzugefügt wäre. Alles ist an seinem Platz, in seiner Ordnung und mit der Zeit gewachsen. Mein Cafe Noir liefert die Ultimative Erkenntnis über die Einfachheit der Dinge und deren besondere Bedeutung im Kontext unserer rasant und unkontrolliert dahineilenden Tage.

Hier liegt die Zuflucht in den kleinen Dingen „Ces petit riens“, oder der Madelaine nach ihrem Bad im Cafe‘, ganz so wie es Proust einst erlebte.

Eben erst hatte ich hier in Paris meine neue Serie „Dans ma Rue“ präsentiert und suchte ein wenig Inspiration für eine neue Idee. Die Idee war schon da, doch eben noch nicht „Ausgedacht“ und schon gar nicht „profound“ genug für eine echte Aussage.

Dann blickte ich wieder durch diese Glasscheibe und es wurde ein Fenster daraus … hier die Leute im Cafe und draußen die Leute auf der Straße, alle mit ihren Gedanken, Projekten, Aufgaben, Pflichten, Sorgen, Ängsten und vielleicht auch Trauer, reflektiert und reduziert auf jene 8 mm Projektion der alten Glasfront des Cafe’s.

Das ist es … sind die Straße, das Viertel, das Cafe und alles andere denn so anders, wenn alle weg sind? Was bleibt, wenn der Mensch gegangen ist, sei es nun temporär oder für immer. Es stand also die Frage nach unserem „Fingerptint“ im Raum dieses Cafe’s in Montmatre … still schreiend nach einer liebevollen Hommage an unsere Existenz.

Was für ein Gedanke, welch schöne Projektion und Inspiration zugleich, fast, als legte in diesem Moment jemand seine Hand auf meine Schulter.

Ich bestellte noch einen Cafe‘.